Zeitungsartikel
Der Ofen ist aus: Traditionsbäckerei in Stadelschwarzach schließt wegen B22-Sperrung

Bäcker Volker Böhm nennt zu große Umsatzeinbußen während der Bauzeit als Grund, warum die kleine Dorfbäckerei nun zumacht – vielleicht nicht für immer.
Schluss, aus, das war’s: Bei Bäckermeister Volker Böhm in Stadelschwarzach ist der Ofen aus. Seine beliebte kleine Bäckerei Trapp im Prichsenstädter Stadtteil – für viele ein Geheimtipp – schließt ab dem 29. Juni ihre Türen.
Der Grund ist, wieder einmal, Die B22: Die Durchgangsstraße direkt vor der Ladentür in Stadelschwarzach wird ab 2. Juli im Zuge der dort beginnenden Dorferneuerung für voraussichtlich drei Jahre komplett gesperrt.
Ob Heike und Volker Böhm dann voraussichtlich 2029 den alten Dampfbackofen Baujahr 1950 noch einmal anwerfen und die Bäckerei weiterführen, lassen sie offen. „Vielleicht öffnen wir danach wieder, das weiß ich noch nicht. Ein Jahr könnte ich vielleicht überbrücken“, blickt der Bäcker voraus.
So richtig vorstellen können sich die beiden noch gar nicht, dass nun Schluss sein soll. „Für Volker ist es schwierig. Ich selbst habe es auch noch nicht realisiert“, gibt Heike Böhm zu. In der Bäckerei stecke „schon viel Herzblut“. Volker Böhm half bereits als Kind dem Großvater beim Backen. Seit etwa 150 Jahren ist das Geschäft im Familienbesitz, 1998 machte sich Volker Böhm selbstständig und übernahm es.
Im Laden weist seit einigen Tagen ein Schild auf die Schließung hin, ein Foto davon ging durch die sozialen Netzwerke. „Schweren Herzens“, beginnt der Text.
Stammkundin aus dem Nachbarort
Zwei Tage zuvor herrschte am Vormittag dennoch Betrieb wie immer, die Ladenklingel ging regelmäßig. Mit Silke Geuter kaufte eine Kundin aus einem Nachbarort ein – wie so oft. „Ich fahre öfter hier durch und halte immer mal an, um hier einzukaufen. Es ist schade, dass ein altes Geschäft schließt“, sagt die Altenschönbacherin.
Das höre sie von fast allen Kunden, erzählt Heike Böhm: Viele seien enttäuscht und bedauerten es – gerade die Älteren aus dem Ort. Ihr Mann wiederum sei enttäuscht von Stadt und Behörden, weil man keine andere Lösung – etwa eine halbseitige Sperrung mit Ampel – versucht habe.
Einen Brief vom früheren Bürgermeister habe er bekommen, in dem dies erklärt werde. Die Behörden hätten zur kompletten Sperrung der Durchfahrt geraten, steht dort. Eine Spur offenzulassen, sei nicht erlaubt. Dafür wäre eine Breite des verbleibenden Streifens von drei Metern erforderlich gewesen, was nicht an allen Stellen möglich gewesen sei, heißt es.
Des Bürgermeisters Lieblingsbäcker
Auch die Stadt Prichsenstadt bedauert die Schließung. „Das ist mein Lieblingsbäcker! Ich bin jeden Samstag mit dem Fahrrad gekommen, um Brötchen und Gebäck zu holen“, verrät Prichsenstadts neuer Bürgermeister Roland König. Er kenne die Angelegenheit; für die Einrichtung einer Ampel sei das Risiko wegen der Unfallgefahr zu groß gewesen. Zudem sei die Baufirma schneller fertig, wenn gesperrt sei.
Man habe Böhm seitens der Stadt Vorschläge und Lösungen angeboten, etwa in der Übergangszeit einen anderen Verkaufsraum zur Verfügung zu stellen. Darauf habe sich der Bäcker nicht eingelassen. Böhm sagt dazu, das sei für ihn nicht so einfach: Dann müsse er seine Waren transportieren, wozu er zusätzliches Personal brauche.
Er könne außerdem nicht nur an einzelnen Tagen oder am Wochenende backen – wegen seines Ofens. „Das ist ein 77 Jahre alter Dampfbackofen, den wir mit Kohle und Holz heizen. Der wird auch geschürt, wenn wir im Urlaub sind.“ Gehe der Ofen aus, dauere es drei Tage, bis er wieder auf Temperatur sei.
Knöpfe zum Einstellen gebe es nicht: „Der Ofen hat sein Eigenleben, das muss man kennen.“ Wie es für ihn weitergeht, will sich Volker Böhm in den nächsten Wochen überlegen. „Hoffentlich öffnet ihr wieder! Ich liebe eure Sachen“, bringt eine Kundin das auf den Punkt, was wohl viele in Stadelschwarzach und Umgebung denken.
Quelle: mainpost.de
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